So naiv wie ich bin, habe ich immer gedacht, die schlimmsten Ängste können nicht wahr werden. Sie können nicht, sie dürfen nicht. Sie dienen ausschließlich dazu, dass man gedanklich an seine Grenzen kommt, sie stellen das Extrem dar, das man sich im Kopf zusammen spinnt. Und seit einigen Wochen weiß ich, dass sie es tun. Die schlimmsten Ängste werden auch wahr! Auf ein mal steckt man in seinen schlimmsten Albtraum fest und findet keinen Ausweg. There is no way out!
Mein ganz persönlicher Albtraum: Ein einziger Fehler, eine kleine Unaufmerksamkeit, eine kleine Selbstsucht - und schon ist es passiert! Ab dann ist es egal was du machst, denn du hast die Situation nicht mehr unter Kontrolle - das Schicksal nimmt seinen Lauf. Du kannst nichts mehr richtig machen, es ist eh alles falsch. Und alles hat Folgen. Schlimme Folgen, fatale Folgen. Der Fehler, die Fehlentscheidung ziehen auch noch weitere, größere, noch schlimmere Folgen nach sich und das nimmt kein Ende. Dir wird ganz schnell bewußt, dass es zur Katastrophe kommen wird. Du siehst dich auf deine ganz persönliche Katastrophe zusteuern und du wirst erkennen müssen, dass du sie nicht mehr aufhalten kannst. Du kannst nur zugucken! Du bist quasi gezwungen, der eigenen Katastrophe zuzugucken, dem eigenen Untergang beizuwohnen. Und du bist unfähig irgendetwas daran zu ändern, geschweige denn, sie zu verhindern!
Was tun? Du willst schließlich nicht untätig da sitzen, du kannst schließlich nicht nur zusehen, wie deine eigene Welt in kleinen Stücken zusammenbricht, wie das, wovor du am meisten Angst hattest, vor deinen Augen langsam aber sicher wahr wird! Du willst aus deinem Albtraum raus, du willst am liebsten weglaufen, dem Ganzen ein Ende setzen... Du wünschst dir, in deine kleine scheinbar heile Welt wieder aufzuwachen und dein scheinbar normales Leben wieder aufzunehmen und weiterzuführen... Und du wirst bitter erkennen müssen, dass das nicht geht. Dass es so nicht funktioniert.
Die Frage ist nur, wie kommst du denn aus dem Albtraum wieder raus? Das sich zwicken und wachrütteln, um aufzuwachen, funktioniert nicht mehr. Du bist ja schließlich hell wach. Meine bisherige Erfahrung: Es aushalten, so schlimm dir alles auch vorkommt. Sich ganz bewußt dem Albtraum stellen und nicht mehr die Augen davor verschließen. Den Gang zum Hänker gehen, so sehr du auch Angst davor hast. Und ganz wichtig: Ohne Selbstmitleid! Du steckst ja nicht ohne Grund drin fest, dir passiert das Ganze ja auch nicht von ungefähr. Du wirst ganz bestimmt deinen Teil dazu beigetragen haben, deine Fehler gemacht haben. Und jetzt ist die Zeit der Konfrontation gekommen. Wir sollen ja aus solchen Situationen lernen, unsere Fehler verstehen und sie bei der nächsten Gelegenheit nicht mehr machen.
Das würde aber bedeuten, dass unsere schlimmsten Albträume Sinn machen und dass sie dazu noch einen pädagogischen Effekt haben. Womöglich tun sie das auch. Womöglich macht alles Elend und Leid, das wir im laufe des Lebens durchmachen einen Sinn. Den erkennen nur die Wenigsten von uns. Er ist nur den Leuten vorbehalten, die das große Glück haben, sich selbst zu kennen, zu sich gefunden zu haben. Und das erst dann, wenn sie all ihre Albträume überstanden haben, wenn sie das Schlimmste hinter sich gebracht haben. Womöglich sind diese Situationen auch eine Chance für diejenigen, die das nur über Umwege schaffen können. Alles ist möglich!
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